EVADIO

Deutschland

Ausbildung

www.evadio-ausbildung.de

Evadio ist eine 3-jährige Ausbildung in der Reinkarnationstherapie in Deutschland und teilweise in den Niederländen. Sie wurde 2004 durch Marianne Carolus gegründet und wird seit 2011 geleitet von Barbara Scheibel und Ulrike Lohmiller, diplomierte Schülerinnen von Marianne Carolus.

Mehrere Evadio-Studenten waren mit mir zusammen 2005 in Frankfurt Mitbegründer von EARTh (www.earth-association.org).

Die Evadio-Ausbildung erstreckt sich über 3 Jahre, wobei jedes Jahr einen eigenen Methodik hat.

Beispiel aus der Vorausbildung (das erste Jahr):

Kurs 5 die Seele und die Polarität

Schnee und Reinheit

Einer der Kurse, die ich einmal zu diesem Thema gegeben habe, fand statt, als es gerade geschneit hatte. Unterwegs zum Kursort waren die Schneeflocken dauernd um mich herumgeschwebt. Das erinnerte mich an Frau Holle und daran, wie die Mädchen, die nacheinander bei ihr wohnten, dann ihr Bett schütteln mussten, so kräftig, dass es auf der Erde schneite. Da das eine Mädchen als Goldmarie wieder auftaucht und das andere als Pechmarie, haben wir die Polarität direkt dabei....
Der Seele und der Reinheit, die man an Schnee, mit seinen wunderschönen Kristallen, die wie Sterne sind, erleben kann, versuche ich jetzt im Schreiben etwas näher zu kommen, mit der Erinnerung an einen Besuch in Chartres, um und in der großen Kathedrale.

Die Kathedrale der Notre Dame in Chartres

Denn diese war für mich die Darstellung des Begriffes 'menschliche Seele' überhaupt. Diese Kathedrale der Notre Dame ist sehr groß und voller Farben, mit den zwei so verschiedenen Türmen über 100 Meter hoch und ihren vielen bunten Glasfenstern, die noch aus dem 12en und 13en Jahrhundert stammen. Im Fußboden in der Kirche liegt ein Labyrinth, und an den 3 Pforten sind zahllose wunderschöne Gestalten aus Stein gehauen.
Diese Kirche wurde in den letzten Weltkriegen vor der Zerstörung bewahrt, hat aber eine Historie mehrfacher Vernichtungen, nach denen sie aber immer wieder wie ein Phönix aus der Asche, auf den Trümmern immer noch schöner als vorher, wieder neu erbaut wurde, zuletzt im Mittelalter und zwar in der Rekordzeit von 32 Jahren, das ist unvorstellbar. Man erzählt, es war so, dass Reich und Arm, Jung und Alt, Gelehrt und Ungebildet, tatsächlich alle beim Wiederaufbau geholfen haben. Diese Energie, die das möglich machte, durchwebt das Gebäude, und lebt auch in seiner besonderen Form. Da zu spazieren und außen herum und hinein gehen zu können, ist ein ganz besonderes Erleben der Seele. Es ist tatsächlich so, als ob hier der Einklang der besonderen eigenen, also persönlichen Seele, mit der universalen Seele erlebt werden kann. Die reine Jungfrau, die zur liebe Mutter wurde. Das Besondere ist hier also zugleich das Universale.
Denn was ist überhaupt die Seele? Was ist die Seele eines Menschen, was die einer Blume, und was die eines Tieres? Was ist die Seele der Erde? Die Seele einer Gesellschaft? Die Seele eines Zeitalters?

Seele erleben

Ganz einfach gesagt meinen wir dann immer so etwas wie (in Mensch und Tier) das Innere, auch das Emotionale, das, was nicht nur lebt , sondern was erlebt (wird). Bei der Erde und bei den Pflanzen erleben wir dieses Seelische aber eher von außen oder an der Oberfläche, wie die Farben und Düfte der Blüten und wie die Stimmung des Wetters, oder die Atmosphäre. Und diese in der Welt draußen lebenden seelische Qualitäten haben großen Einfluss auf unsere eigenen kleinen Seelen... Vor allem merkt man es, wenn z. B. eine ganze Reihe von trüben Tagen auf einmal von einer strahlenden Sonne abgelöst wird! Oder wenn die ersten Blüten im Frühling kommen...und dann die blühenden Obstbäume...und wenn es Herbst wird und kalte Nebelschleier die letzten Früchte und Blätter einhüllen ....es sind das Stellen wo die große Seele der Erdenmutter unsere persönliche Seele direkt berührt.
Dabei hat auch die große Seele ihre ganz besondere Qualitäten, wie Klarheit (Sonne, der leise Nordwind), Unruhe (wechselndes Wetter und Wind), Wut (Sturm ), Trauer (....Regen), Begeisterung (Gewitter), usw. Und natürlich gibt es auch Projektion, wenn ein Mensch die Sonne gar nicht spüren kann, weil seine innere Trübnis sich über alles in der Aussenwelt darüberstülpt, oder umgekehrt, dass ein mieser Dauerregen ihn nur das zarteste kühle Streicheln bedeutet, weil er von innen heraus so glücklich ist. Das alles gibt es zwischen unserer menschliche Seele und der großen Seele die uns umfasst.
Das Besondere in Chartres ist, dass dort in Urzeiten diese große Seele der Erde, die Göttin Natura, die Demeter der Griechen, die Erdenmutter, schon verehrt wurde. Und zwar "in" der Erde, in einer Höhle, also im Dunkeln. Dort, in dieser Grotte, haben die Kelten die Jungfrau die ein Kind trägt, schon in Form einer Holzstatue verehrt. Die große wunderbare Kathedrale ist auch dunkel, denn sie hat alles mit dieser reinen Mutter zu tun. Die Dunkelheit der Nacht, mit dem Mond als ihrer Königin ist es, während der die Seele sich selbst erleben kann, wenn sie so ganz nach innen geht, in sich hinein fühlt. Wenn die Sonne im Osten heraufkommt, (und die Kathedrale hat ihren Osten genau da, wo am 24 Juni die Sonne aufsteigt) ist vorher immer etwas Besonderes am Himmel zu erleben. Vor Sonnenaufgang wird der Himmel nämlich erst weiss. Die Sonne kommt erst danach rot über den Horizont. Am Abend ist das ganz anders. Da ist, bevor die schwarze Nacht beginnt, der Himmel ganz wunderbar tief blau. Nun ist dieses tiefe Blau das Außenkleid der Jungfrau, das Weiß ihr Hemd, und sie trägt die geborene Sonne rot in ihren am Horizont ausgebreiteten Armen.
Verstehen Sie gut, dazwischen ist die Nacht. Wir kommen von Westen her in die Kathedrale, erleben die hohen sternenfarbigen Fenster, und kommen im Labyrinth. Wir sind in der Kathedrale, wo wir das Innere der Seele der Jungfrau-Mutter-Erde miterleben können, das wir sonst nur von aussen kennen - oder auch, das wir hier bewusst miterleben können, wo es uns sonst nur unbewusst ist. Oder eben: Hier können wir die eigene Seele mitschwingen lassen, durch Dunkelheit, durch alle Farben, die es gibt, durch alle Richtungen (im Labyrinth), können durch die Nacht hindurchgehen, bewusst durch das unbewusste Reich des Schlafes, des Traumes, der Natur, bis hin zum Osten, wo die alte Mutter im Weißwerden des Himmels wieder Jungfrau wird und ihr königlich rot gewandetes Kind gebiert.

Maria und Sophia

Die Kathedrale bekam eine Reliquie aus Konstantinopel, das Hemd von Maria. Diese Kirche konnte gar kein besseres Symbol der jungfräulichen Reinheit haben, es passte genau. Karl der Große hatte Konstantin im Kampf gegen die Sarazenen geholfen, und Konstantin schenkte ihm dafür als Dank das kostbare Gewand der Gottesmutter. Er vererbte es seinem Sohn Karl dem Kahlen, der das Westreich, also auch Frankreich erbte. Dieser schenkte es Chartres, nachdem die Kathedrale - im 9en Jahrhundert - verwüstet worden war.
Maria war die persönliche Mutter von Jesus, der die Sonnenqualität (der Sonnengottheit) Christus total in seiner Seele aufnehmen und darstellen konnte. Sie hatte die reine Qualität der Erdenmutter, die durch die Sternennacht hindurchgegangen ist, so wie es sichtbar wird im Weiß des frühen Morgens. Ihr weißer Schleier wurde nun in dieser Kathedrale aufbewahrt. Jetzt ist die Jungfrau-Mutter-Erde, die wir in der Sternennacht und in dem klaren Tag im Großen um uns herum erleben, in dieser Kirche mit der Menschenmutter verbunden, die ihren Sohn in Reinheit bekommen und verloren und wiedergefunden hat.
Diese seelische Verbindung zwischen Makro- und Mikrokosmos ist das Wesen der großen und hohen Kathedrale. Es ist das Geheimnis der Nacht und des Schlafes zugleich - und das Geheimnis des Sterbens. Maria in der Höhle, Maria an der Außenwand des Westportales, Maria im farbigen Glas hoch im Osten, und noch einmal im Herzen der Kirche, von Engeln hinaufgetragen nach ihrem Sterben. Alles Leiden und alle Probleme werden anders, nachdem wir eine gute Nacht hatten oder gut geschlafen haben. Eine Meditation oder eine Therapie, die genau so die Verbindung mit dem Urbild im Makrokosmos schaffen, können auch diese heilende Wirkung haben, aber jetzt bewusst. Das Labyrinth gehört dazu. Die Selbsterkenntnis mit Hilfe der Spiegel der Weltenseele Sophia auch.
Man kann die Kirche, mit ihrem kreuzförmigen Grundplan, von Westen her kommend betreten und geht dabei zwischen den beiden Türmen hindurch. Die beiden Pole, vom Körper aus das Leben, das Wollen, das Tun und vom Geiste her das Wissen, das Schauen, das Verstehen, werden verbunden durch das Herz, durch das Fühlen, durch das Gehen zwischen Sonne und Mond, Lachen und Leiden. Die Farben zeigen es in ihrer Art. Wir erleben Rot als aktive Farbe, Blau als passiv, und Grün als gleichgewichtige Ruhe in der Mitte.

Rein als Körper und Seele, rein wie Schnee

So wie wir im Leib unterschiedlich gebaut sind als Männer und als Frauen, sind wir das in der Seele nicht. Die Polarität, die uns als Männer und Frauen auseinander getrennt hat in den leiblichen Körper, haben wir alle als Menschen in der Seele da drinnen. Dabei gibt es sicherlich Unterschiede.
Männlich und Weiblich sind Teile einer umfassenderen Polarität, die man in der ganzen manifesten Welt finden kann. Man kann ihr unter den Namen Yin und Yang begegnen, oder in den Qualitäten Positiv und Negativ (ohne Werturteil!), oder Aktiv und Passiv, oder Schlagen und Tragen, oder Taten und Leiden, Lachen und Weinen, Kommen und Gehen, Wachsen und Abnehmen, usw. usw. Was die Tierwelt an seelischen Qualitäten hat, zeigt sie bis in den Körper hinein: du bist gebaut mit wunderbaren Flügeln, oder mit 'tausend' winzigen Füßlein, oder mit diesen Farben, die dich total unsichtbar machen, weil du genau so aussiehst wie deine Umgebung. Wir Menschen unterscheiden uns nur sehr wenig in unseren Körpern, haben aber sehr unterschiedliche (polare) seelische Qualitäten!

Allgemein kann man sagen: es ist der menschliche Körper, der sich so weit von allem Tierischen zurückhalten kann, dass in dieser 'Reinheit' das Ich, das (ego-zentrische) Selbstbewusstsein, hineingeboren werden kann. Die heilige jungfräuliche Reinheit (das weiße Hemd) der Seele kann nun auch (in der Seele) das höhere Ich, das ewige unsterbliche Ich, gebären.

Märchen

Bis dahin entwickeln wir uns – gehen durch das Labyrinth hindurch- nur dank der Polarität.
Polaritäten finden wir nun in aller Fülle in Märchen und damit sind wir zurück bei Frau Holle, und als schneeflockenenthaltendes Märchen nehmen wir es zusammen mit Schneewittchen, und wegen des Sternen- und Mondenlichts, die die weißen Steinchen leuchten lassen, die den 2 Kindern den Weg zurück zeigen, auch mit Hänsel und Gretel zu unserem Thema mit in den Kurs herein. Die weiße Ziege schließlich, kostbares Besitztum des Schuhmachers und seiner 3 Söhne (die Ernährerin der Familie), ist das Märchen der 4e Kleingruppe des Kurses. Das geht so:
Alle nehmen eine Karte (aus einem Märchenquartett, von dem ich nur genau so viele Karten hinlege, wie es auch TN gibt, hier also 4 Quartette). Jede Karte enthält eine Person oder ein Fragment des Märchens und wir beginnen damit, herauszufinden: Was sagt mir jetzt diese von mir gezogene Karte?
Nachdem wir frei etwas darüber ausgesagt haben, bekommen wir den Auftrag, einige seelische Qualitäten damit zu verbinden. Dabei unterscheiden wir Emotionen, Gefühle und Eigenschaften.
Emotionen (e-motion: bewegen von innen nach außen) haben wir mit den Tieren gemein, es sind die seelischen 'Ladungen', die unmittelbar im innerlichen Dasein aufquellen, als Reaktion auf Ereignisse. Beispiel: Freude, Wut.
Gefühle sind Emotionen, die in der Seele drinnen bleiben, dort erlebt werden, erkannt werden, verarbeitet werden. Kunstwerke zeigen dieses Erleben und Verarbeiten und die Resultate davon. Beispiel: Trauer, Liebe, Rache.
Eigenschaften sind nun die mehr dauerhaft gewordenen Emotionen und Gefühle. Beispiel: Jemand ist jähzornig, oder stolz, oder neidisch.
Ich erzähle nun kurz die Märchen, oder lese nur eines vor (in diesem Fall das Märchen 'Tischlein deck dich'.) und jede Kleingruppe arbeitet am eigenen Märchen und sucht diese 3 Qualitäten.
Die Märchen (Ich fasse kurz zusammen, sie sind bekannt genug und in allen Ausgaben der Grimmschen Märchen nachzulesen):

Frau Holle: Eine Witwe hat eine hässliche faule eigene Tochter, die sie verwöhnt und eine schöne eifrige Stieftochter, die sie immer arbeiten lässt. Das Mädchen muss am Wegrand, an einem Brunnen sitzen und spinnen, bis ihre Finger bluten. Als sie das Blut von der Spindel waschen will, fällt diese in den Brunnen hinein. Die Stiefmutter fordert sie auf, die Spindel zurückzuholen. Verzweifelt springt das Mädchen in den Brunnen - und findet sich auf einer schönen Blumenwiese wieder. Sie macht sich auf den Weg und kommt nach einer Weile an einem Ofen voller Brote vorbei, die rufen, dass sie längst gar sind und heraus müssen, weil sie sonst verbrennen werden. Sie holt sie sofort heraus. Auch kommt sie an einem Apfelbaum vorbei, an dem die Äpfel reif sind und sie schüttelt sie herunter und legt sie zu einem schönen Haufen zusammen. Dann begegnet sie einer Frau mit großen Zähnen und hat Angst vor ihr. Es ist Frau Holle, die freundlich ist, und das Mädchen kann bei ihr wohnen und ihr helfen. Vor allem muss sie jeden Morgen das Federbett der Frau so gut schütteln, dass die Federn herumfliegen, sodass es auf der Erde schneit. Das macht sie sehr gut und deshalb bekommt sie alles Leckere zu essen und kein einziges böses Wort. Aber nach einer Zeit hat sie Heimweh nach der Erde - Frau Holle begleitet sie bis zur Pforte, und indem sie da hindurchgeht, bekommt sie nicht nur die Spindel wieder mit, sondern wird auch mit Gold überhäuft. Das gefällt Stiefmutter und -Tochter so sehr, dass die Stiefschwester sich nun sofort auch an den Brunnen setzt, sich an Dornen und Spindel die Finger blutig sticht, die Spindel ins Wasser wirft und hinterherspringt. Sie geht schnell über die Wiese, an dem Ofen vorbei ('nein, da krieg ich doch schmutzige Hände'), an dem Apfelbaum vorbei ('nein, da könnte mir doch einer auf den Kopf fallen') direkt zur Frau Holle. Und am ersten Tag schüttelt sie das Bett noch richtig. Am 2en Tag kaum noch. Am 3en Tag bleibt sie sogar in ihrem Bett liegen ... und Frau Holle kündigt ihr, sodass sie wieder zur Erde muss. Das freut sie nur so lange, bis sie in dieser Pforte nicht mit Gold, sondern mit Pech überladen wird. Dieses Pech haftet das ganze Leben an ihr, wie sehr sie sich auch wäscht.

Schneewittchen: Eine Königin, die ein Kind erwartet, sitzt am Fenster und näht etwas für das Kindchen. Draußen liegt Schnee und ihr Fenster ist aus Ebenholz. Da sticht sie sich in den Finger und dabei fallen 3 Blutstropfen in den Schnee. Nun hofft sie, dass ihr Kind so schön sein wird wie dieses Bild vom Schwarzen Ebenholz, rotem Blut und weißem Schnee. Und tatsächlich hat Schneewittchen diese Schönheit. Die Mutter stirbt und nach einem Jahr ist die Stiefmutter schon da. Sie ist sehr schön und hat einen sehr besonderen Spiegel, der weiß, wer am schönsten ist und nur die Wahrheit sprechen kann. Diese Frau hat nur ein Anliegen, nämlich die Schönste von allen zu sein. Sobald aber Schneewittchen 7 Jahre alt geworden ist, ist sie die Schönste. Da das für die Königin unerträglich ist, will sie das Mädchen töten und schickt den Jäger dazu mit ihr in den Wald. Das Kind fleht um sein Leben und er lässt sie gehen. Verzweifelt geht sie immer weiter in den Wald hinein, bis zu den Bergen und findet schließlich Unterkunft bei 7 Zwergen. Vom Spiegel vernimmt ihre Stiefmutter aber ihre neue Wohnstätte und verkleidet als Verkäuferin, besucht sie das Mädchen, verkauft ihr eine schöne Kordel und schnürt diese sofort so fest um Schneewittchen, dass diese keinen Atem mehr bekommt. Am Abend befreien die Zwerge sie aber, und auch ein 2es Mal, als die verkleidete Stiefmutter ihr einen vergifteten Kamm in die Haare steckt, können sie sie retten. Das 3e mal aber ist sie verkleidet als Bäuerin und hat einen vergifteten Apfel dabei, der aber nur an einer Seite vergiftet ist. Sie beißt selbst in den Apfel, um zu zeigen, wie unschuldig sie ist. Schneewittchen beißt auch hinein und der Bissen voller Gift, bleibt ihr in der Kehle stecken. Die Zwerge können nichts tun, aber legen sie in einen gläsernen Kasten, denn ihre Schönheit bleibt. Eines Tages kommt ein Prinz herbei und verliebt sich so unsäglich in sie, dass er sie zu sich in den Palast nehmen will, obwohl das Mädchen tot ist. Unterwegs aber stolpern die Träger, und dabei schießt Schneewittchen der Apfelbissen aus der Kehle heraus. Jetzt folgt die Hochzeit, bei der die Stiefmutter sie wiedererkennt und gelähmt dasteht. Man gibt ihr dann glühende Eisenstiefel und sie tanzt darin, bis sie tot niederfällt.
(Viele TN werden durch die Märchen mit ihren Kindheitserlebnissen wiederverbunden, jemand weiß noch, wie sie als Kind immer bei Schneewittchen beim vergifteten Apfel empfand, wie nahe Gut und Böse beieinander liegen können.)

Hänsel und Gretel: Ein Vater, ein armer Holzhacker, hat zu wenig Geld fürs tägliche Brot. Die Stiefmutter überredet ihn, die Kinder tief in den Wald zu bringen und sie dort zu lassen, damit wenigstens er und sie selber überleben können. Hänsel hört, das und sammelt im Mondlicht (die Eltern schlafen schon) Kieselsteine. Diese lässt er am nächsten Morgen unterwegs fallen und sie weisen in der nächsten Nacht die Spur zurück nach Hause. Ein 2es Mal aber gelingt das nicht, denn Stiefmutter hat das Haus nun abgeschlossen. Er verstreut dann sein letztes Brot, aber davon bleibt keine Spur. Die Kinder gehen müde und hungrig 3 Tage durch den Wald, und dann sehen sie ein schneeweißes Vögelchen, das wunderschön singt. Sie folgen ihm und finden ein Häuschen von Brot, mit Fenstern von Zucker und verziert mit Pfefferkuchen und Schokolade. Welch eine Freude, und sie essen dankbar davon. Bald hören sie dann "Knibber, knabber, knäuschen, wer knabbert an meinem Häuschen?" Und Hänsel und Gretel sagen: "Der Wind, der Wind, das wilde Kind" und essen weiter. Das Weib kommt und lädt sie ein und sie werden verwöhnt mit Pfannkuchen und Apfelmus und einem sauberen Bett. Am nächsten Morgen ist aber alles anders: Hänsel wird in einen Käfig gesteckt und die Hexe sagt, dass sie ihn fett mästen und aufessen wird, während Gretel nur Krebsschalen zu essen bekommt und dafür hart arbeiten muss. Jeden Tag überprüft die Hexe, wie fett Hänsel schon ist, aber sie kann nicht gut sehen. Deshalb merkt sie nicht, dass Hans nur einen Hühnerknochen vorzeigt, und ist verärgert, dass er nicht fett wird. Als sie nach 4 Wochen sagt, sie wolle ihn nun essen, muss Gretchen den Ofen heizen und dann auch prüfen, ob dieser heiß genug ist. Gretchen soll dazu hinein, aber wie? Sie habe keine Ahnung, sagt sie. Da steckt die Hexe dann ihren Kopf hinein - sofort schubst Gretchen sie ganz in den Ofen und schließt die Ofentüre. Die Hexe verbrennt. Sie befreit Hans und im Häuschen finden sie Perlen und Edelsteine und nehmen diese mit. Auf dem Rückweg kommen sie an ein großes Wasser, wo eine weiße Ente sie ans andere Ufer trägt. Dort finden sie ihren lieben Vater und sind zusammen glücklich.

Tischlein Deck dich: Ein Schuhmacher und seine drei Söhne besitzen eine weiße Ziege, die die ganze Familie ernährt. Dazu braucht sie selbst jeden Tag gutes Grün. Abwechselnd hüten die drei Söhne nun die Ziege und versuchen dabei ihr ein so gut als nur mögliches Futter anzubieten. Der erste führt sie so zum Friedhof, denn da wachsen üppiges Gras und wohlschmeckende Kräuter. Die Ziege frisst sich voll und abends, vor dem Heimweg, fragt sie der Junge, ob sie genug hätte. Erst als sie bestätigt, ganz und gar satt zu sein, führt er sie nach Hause zurück. Vater befragt ihn dazu auch noch einmal und fragt dann auch noch die Ziege. Jetzt beklagt sich aber die Ziege: Sie sei nur über Gräben gesprungen und hätte gar nichts essen können. Daraufhin ist der Vater wütend und schickt diesen untauglichen Sohn fort.
Am nächsten Tag ergeht es dem zweiten Sohn, der die Ziege zu guten Sträuchern führte, genau so. Am dritten Tag wiederfährt dem jüngsten Sohn genau das Gleiche. Jetzt ist der Schuhmacher nur mehr alleine mit der weißen Ziege übriggeblieben und freut sich, ihr endlich gutes Gras anzubieten. Wie bei den Söhnen, ist sie herrlich satt vor dem Heimgehen, bestätigt dann aber, einmal zurück im Stall, dass sie nur über Gräben springen musste und sich gar nicht nähren konnte. Auf einmal wird ihm nun klar, dass er seine Söhne zu unrecht weggeschickt hat, und er ist so wütend auf die Ziege, dass er sie nicht nur wegschickt, sondern ihr auch den Kopf kahl rasiert, damit alle wissen, dass sie böse ist.

Der erste Sohn geht bei einem Tischler in die Lehre und bekommt zum Abschluss auf die Wanderschaft ein unansehnliches Tischlein mit, das aber eine wunderbare Qualität hat, denn sagt er: 'Tischlein deck dich' dann wird es im Nu einen reich gedeckten Tisch geben, mit bestem Speis und Trank, und auch immer genug davon, so lange, bis er satt ist. Damit lebt er gut und meint nach einiger Zeit, den Vater besuchen zu können, denn der wird vielleicht nicht mehr wütend sein. Die Reise ist lang, und als er fast beim Vaterhaus ist, muss er noch zum Abendessen und Übernachten in einer Herberge einkehren. Da es schon etwas spät ist, laden ihn die anderen Gäste ein, er solle sich zu ihnen setzen, denn sonst würde er wohl gar nichts mehr zu essen bekommen.
Da nun antwortet er, dass er im Gegenteil sie einladen will und zwar auf das beste Essen, das es gibt - und er stellt sein Tischlein hin, das nun tatsächlich alle köstlich ernährt. Der Wirt schaut es sich genau an und in der Nacht vertauscht er das unscheinbare Tischlein mit einem alten Tischlein, das er noch in einem Abstellraum stehen hatte. Der Sohn merkt davon nichts, kommt beim Vater an und lässt alle Verwandten zum festlichen Abendessen einladen. Das Tischlein aber reagiert gar nicht auf seine Bitte, sich zu decken.
Der zweite Sohn geht zu einem Müller in die Lehre und bekommt nach guter Lehrzeit einen Esel geschenkt. Obwohl der aussieht wie ein ganz gewöhnlicher Esel, hat er doch eine besondere Gabe: Wenn der Sohn ihn auf ein sauberes Tuch stellt und dann 'kikiriki' sagt, spuckt er vorne und hinten Goldstücke. Damit kommt der zweite Sohn gut zurecht auf seiner Wanderschaft, und auch er sehnt sich dann einmal wieder zum Vaterhaus zurück und macht die lange Reise. Er kommt auch am späten Abend in der gleichen Herberge an und ist auffällig, weil er darauf besteht, den Esel selbst zu versorgen, und auch wegen seiner Goldstücke, die zu so einem Benehmen nicht passen. Deshalb spioniert der Wirt durchs Schlüsselloch und entdeckt das Geheimnis des Esels. Auch hier meint er, dass es ihm gut helfen könnte, selber so etwas zu besitzen und er vertauscht den Goldesel mit einem ganz normalen aus dem eigenen Stall. Auch der zweite Sohn bittet seinen Vater darum, alle Verwandten einzuladen, um sie reich zu beschenken und alle erleben, wie auf dem sauberen Tuch der Esel etwas ganz anderes als Gold nur herausgeben kann.
Der dritte Sohn aber lernt bei einem Drechsler und bekommt als Abschlussgeschenk einen Sack mit einem Knüppel darin. Dieser hat die Eigenschaft, dass wenn jemand kommt, um ihn am Leib oder sonst irgendwie zu schaden, er nur zu sagen braucht: 'Knüppel aus dem Sack' und der Knüppel kommt heraus und tanzt so lange auf dem Übeltäter herum, bis der Junge sagt: ' In den Sack'. Brieflich hatten nun die Söhne Kontakt gehalten und so wusste er, was die ersten beiden in der Herberge erlebt hatten. Er macht dem Wirt klar, dass er etwas ganz besonderes Wertvolles im Sack hat ... und tatsächlich versucht der Wirt in der Nacht den Sack unter seinem Kopf wegzustehlen. Mithilfe des Knüppels bekommt der dritte Sohn nun auch das Tischlein und den Esel zurück. Beim Vater findet nun das große Fest endlich statt, mit Essen, Trinken und Goldstücken, bis alle erfüllt sind.

Polaritäten: Die Teilnehmer suchen in den Märchen nach den Emotionen, den Gefühlen und den Eigenschaften, und dann natürlich nach den Polaritäten.

Frau Holle:
An Emotionen und Gefühlen fand man 'traurig-hoffnungslos-allein-ausgeliefert-enttäuscht-gütig',
an Eigenschaften fand man hier: 'hilfsbereit-zuverlässig-unbekümmert-gerecht-egoistisch-gehorsam-faul-eifrig-hart-grausam-ärgerlich-neidisch'
und an Polaritäten: egoistisch-hilfsbereit / gehorsam-frei
Schneewittchen:
Emotionen und Gefühle: 'Angst-dankbar-Freude-Neid-Unruhe-unsicher-Neugierde-Freude-staunen-Schrecken-besorgt-betrübt-Liebe'
Eigenschaften:'Tatkraft-selbstbewusst-fürsorglich-treu-vorsichtig-ehrlich-rein-ernst-duldsam-Ausdauer-Wärme-lebendig-egozentrisch-herrisch-haltlos-starr-zwanghaft-rücksichtlos'
Polaritäten: aktiv-passiv / Macht-Hingabe
Hänsel und Gretel:
Emotionen und Gefühle: ' Spannung-Erleichterung-schlechtes Gewissen-Trauer-Ruhe-Freude-Schreck-wohlig-sicher-dumpf-staunen-Verzweiflung-diebische Freude-Gier-Ungeduld-Ärger'
Eigenschaften: ' berechnend-hinterhältig-selbstsicher-fürsorglich-umsichtig-hingebungsvoll-geistesgegenwärtig-entwicklungsfähig-kalt-pessimistisch-egoistisch-planend-vorausschauend-unsicher-passiv-resigniert-widerstandslos'
Polaritäten: Treue-Verrat?
Tischlein deck dich
Emotionen und Gefühle: 'Ärger-Verzweiflung-unsicher-Stolz-Neid-Angeber-Heimweh-Scham-Spott-Freude-dankbar'
Eigenschaften: 'teuflisch-falsch-gutgläubig-misstrauisch-eifrig-naiv-neidisch-egozentrisch'
Polaritäten: falsch-ehrlich / schlau-naiv
Nachdem wir so an Märchen archetypisch geübt haben, versuchen wir auch eigene Polaritäten zu finden.

Eigene Polaritäten in der Seele

Jetzt eine Übung zur Polarität, die wir paarweise machen, bei der wir versuchen in unserem eigenen Leben einige Polaritäten wahrzunehmen:
Einige Polaritäten, die in der Gruppe von den TN gefunden wurden:
Gut/Böse Licht/Finsternis flexibel/starr
Macht/Ohnmacht Lebensfreude/Traurigkeit geöffnet/geschlossen
männlich/weiblich Himmel/Erde schnell/langsam
arbeiten/genießen Kopf/Gefühl Kraft/Führung

Es folgt nun eine Gruppenreise nach eigenen Polaritäten in der Seele.
(Hier nicht zu lesen, denn diese Übung sieht vielleicht leicht, einfach oder harmlos aus, aber man soll sie besser nicht machen, ohne die Möglichkeit für therapeutische Nachhilfe zu haben, denn es können sich schwere Traumata zeigen. Wichtig bei dem ganzen Üben ist das finden der Mitte.)
Die Teilnehmer berichten. Es folgt ein Gespräch und dann einige kurze Rückführungen als Demonstration. In der erste Rückführung fanden wir ein Erlebnis im Mittelalter, wobei diese Frau noch nicht wusste, dass sie schon gestorben war, und eben weil sie keinen Körper mehr hatte, sich so erleben musste, nichts mehr geben und nehmen zu können.
Eine zweite kurze Rückführung: Wir fanden ein Mann, der gefoltert wurde. Er starb, nachdem er ein Band um den Kopf hatte und Schweres auf den Schultern, und einen Unterschenkel schon verloren hatte. Er konnte aber nicht sterben, das heißt, der Körper stirbt, aber die Seele kann nicht gehen. Er konnte nicht gehen, weil er lieben wollte. Sogar war es so, dass seine Hände gefaltet waren zum Beten, und in diesen Händen steckte noch immer die Seele. Jetzt konnte er die Liebe leben, indem er zuerst seinen gefolterten Körper liebevoll danken und versorgen konnte, und danach konnte er auch das Mädchen finden, dass er so gerne lieben wollte und beide konnten ins Licht.
Eindrucksvoll war auch das Erlebnis, dass eine Teilnehmerin einen Gefangenen fand, schwer leidend. Auf den ersten Blick würde man meinen, dass der doch gerade Hilfe brauchte ... Als wir dann eine Demo machten, ergab sich nun eine Opfer-Täter-Polarität. Sehr anschaulich wurde klar, wie nur er als Opfer, dem damaligen Täter helfen konnte. Dabei war die polare Seite ein vornehmer Mensch, irgendein 'hohes Tier'. Nun fanden wir wie dieser Gefangene ein Mensch war, der gezwungen wurde, in einer Mine zu arbeiten. Zwangsarbeit und nie frische Luft, nur diese Arbeit in der Mine, wo er dann auch starb, und seine Familie nie mehr gesehen hatte. Wir fanden jetzt, dass er recht jung schon in die Mine kam, - seine Frau war schwanger vom ersten Kind. Es war in Armut als Baby schon gestorben. Die Familie wurde jetzt vereint. Dieser Täter war das vorige Leben der Teilnehmerin, und zwar war es dieser vornehme Herr. Er hatte, um große Projekte auszuführen, einfach viele arme Menschen so in die Minen geschickt. Es tut ihm jetzt aber sehr leid. Er will jetzt Unterricht und Bildung für die Armen! Er braucht Verständnis vom damaligen Opfer! Es gelingt jetzt auf seelischer Ebene, einander zu verstehen. Tatsächlich war dieser Gefangene genau die Hilfe, die nach dem Täterleben nötig war.
Wichtig zu den Märchen wäre noch:
Frau Holle: Beide Mädchen sind gehorsam und zeigen sich bei Frau Holle so, wie sie es auf der Erde gelernt hatten—aber 1 Moment war da ein freier Entschluss statt Gehorsamkeit, nämlich der Wunsch von Goldmarie, zurück zu wollen zur Erde. Dieses Freiheitsmoment war Gold wert.
Schneewittchen: Schneewittchen trug die unvergängliche (unpersönliche) Schönheit (Schnee, Ebenholz, Blutstropfen) von außen in sich. Die Stiefmutter schaute durch kein Fenster, sondern in den Spiegel, nach persönlicher ewiger Schönheit und versuchte so, die vergängliche Schönheit ewig zu haben und Schneewittchens unvergängliche Schönheit zu vernichten. Schneewittchens Schönheit blieb aber und war der Grund, sie im Glas oben auf dem Berg zu bewahren, als sie 'tot' war, und in ihrem Suchen nach dieser Schönheit musste die Stiefmutter sterben.
Hänsel und Gretel: List über List von allen Beteiligten. Nur Gretchen rettet alles, nicht durch eine neue List, sondern indem sie eine List durchschaut und der Hexe dann die eigene List zurückgibt. Das ist hier die eigentliche Polarität.
Tischlein deck dich: Die weiße Ziege hat nicht gelogen, sondern sie wurde nicht verstanden. Sie war satt, jawohl, mit grünem Blatt, aber es war 'Totes', was deshalb vorübergehend nur sättigen konnte. Durch ihre Worte zielte sie schon hin auf die Nahrung vom Tischlein-deck-dich, wobei man nie mehr hungern muss. Sie deutete schon hin auf die Schätze mit Ewigkeitswert, die spirituelle Nahrung, die die Söhne dann bei ihren Lehrstellen in der weiten Welt tatsächlich erlangten (die ersten beiden) und dann auch behalten konnten! (Der Dritte). Das Behalten-Können des eigenen Tischlein-deck-dich, die Quelle der spirituellen Nahrung, sowohl der Goldesel, ist wirklich nicht selbstverständlich, und es lohnt sicherlich zu schauen, wie sie verloren gingen.

Login